Social Media Strategie für Handwerksbetriebe: Bringt das was?

12.4.2024
Lesezeit: 9 Minuten

Warum das schwer verdiente Geld und die kostbare Arbeitszeit in eine Social Media Strategie stecken? Darüber habe ich mich mit der Steinmetzmeisterin und Social-Media-Expertin Kathrin Post-Isenberg unterhalten: Ja, das bringt was!

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Inhalt auf einen Blick

Inhalt

  1. Social Media Marketing: ein neues Handwerk fürs Handwerk
  2. Der Fachkräftemangel im Handwerk ist akut
  3. Berufswunsch: Maurer:in
  4. YouTube & Co. als Handwerks-Promoter
  5. Warum den zusätzlichen Stress auf sich nehmen?
  6. Digitales Marketing braucht Reichweite
  7. Social Media Strategie für Handwerksbetriebe: der Zug ist abgefahren
  8. Wenn Handwerker:innen auf Social Media ihre Tricks verraten
  9. Social Media Strategien für Handwerksbetriebe – Kathrins Tipps

Social Media Marketing: ein neues Handwerk fürs Handwerk

Es gibt Unternehmensbereiche, die auch heute noch auf digitales Marketing verzichten. Allen voran die klassischen Handwerksbetriebe. Wobei sich laut Kathrin Post-Isenberg hier einiges tut.

Manche KMUs feiern regelrecht die Möglichkeit, ihre Firma auf Social Media Plattformen zu bewerben. Hier gibt es mittlerweile Influencer, die auf YouTube, TikTok, Instagram und Co. voll durchstarten.

Kathrin sieht hier ein gigantisches Potenzial, das aber leider von ganz vielen Handwerksbetrieben links liegen gelassen wird. Sie ist Steinmetzmeisterin und Bildhauerin und hat neun Jahre lang ihre eigene Steinmetz-Firma betrieben.

Heute arbeitet sie als Referentin und Speakerin mit Schwerpunkten auf Handwerk, Fachkräftesicherung und Employer Branding. Dabei agiert sie im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Das Ziel ist es, kleine und mittelständische Unternehmen bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen. Das Projekt der Bundesregierung nennt sich KOFA, was für Kompetenz und Fachkräftesicherung steht.

Das ist in unserer heutigen Zeit kein leichtes Unterfangen, was Kathrin aus eigener Erfahrung gut kennt. Sie wurde damals als Steinmetzmeisterin in ihrem Kleinstunternehmen sehr oft mit diesen Problemen konfrontiert. Wo finde ich Fachkräfte? Wie mache ich meinen Betrieb als Arbeitgeber interessant? Und wie schaffe ich es, gute Mitarbeitende an meinen kleinen Betrieb zu binden?

Kathrin erforschte diesbezüglich schon früh neue Wege. 2012 ging sie beispielsweise mit einem selbst produzierten Video auf ihrem Facebook-Account auf Fachkräftefang. Das war damals in der Handwerksbranche revolutionär.

Der Fachkräftemangel im Handwerk ist akut

Davon können alle ein Liedchen singen, die dringend einen/e Handwerker:in brauchen. Bei uns ist beispielsweise der Wasserhahn in der Küche kaputt, und wir suchen seit Wochen (!) einen Klempnerbetrieb, der sich dieser Sache annimmt. Ohne Erfolg.

Das liegt daran, dass auch grössere Klempner-Firmen nicht genügend Fachleute am Start haben, um Aufträge zeitnahe abzuarbeiten. Das ist in Deutschland nicht anders.

Laut Kathrin sind im letzten Jahr (2022) in Deutschland rund 70.000 Ausbildungsstellen in Handwerksbetrieben nicht besetzt worden. Das muss man erst mal sacken lassen.

Der Wunsch, zu wachsen und auszubilden, ist in den Handwerksbetrieben vorhanden. Die Jugend nimmt es aber nicht an. Und genau hier liegt der Hund begraben.

Berufswunsch: Maurer:in

Wie macht man es einem jungen Menschen schmackhaft, einen Handwerksberuf zu erlernen? Oder anders gefragt: Wenn du Kinder hast/hättest, würdest du sie dazu motivieren Maurer:in, Elektriker:in, Eisenflechter:in, etc. zu werden? Informatik ist deutlich besser. Digitales Marketing sowieso.

Schliesslich arbeitet man sich im Handwerk krumm, muss bei Wind und Wetter draussen schuften, steht als Koch oder Köchin auch am Wochenende in der Küche, entwickelt als Bäcker:in über kurz oder lang eine Mehlallergie.

Work-Life-Integration? Weit gefehlt.

Remote Work? Höchstens auf Montage.

Es ist eben diese negative Darstellung der Handwerksberufe, die wir – oft unbewusst – an die nächste Generation weitergeben. Dieser O-Ton wird dann in den Schulen fortgesetzt. Hier wird alles auf die schulische Weiterbildung ausgerichtet. Studieren ist King. Sich «die Hände schmutzig machen» liegt weit abseits vom Trend.

Die Frage, wie sich das ändern lässt, führt uns zu den Social Media Plattformen.

YouTube & Co. als Handwerks-Promoter

YouTube zählt zu den beliebtesten Social-Media-Plattformen. Warum? Weil es weit mehr ist als pure Unterhaltung. Es hat sich zu einer Weiterbildungsplattform entwickelt, die tagtäglich von Millionen User:innen zurate gezogen wird. Wie häkle ich eine Sofadecke? Wie repariere ich einen Wasserhahn? Und wie wechsle ich Scheibenwischer aus?

Mit anderen Worten: Eine ideale Plattform, auf der Handwerksbetriebe ihre Social Media Strategie umsetzen und sich somit effektiv als moderne, coole Ausbildungsstätten und Arbeitgeber positionieren können.

Aber das ist leichter gesagt als getan. Zum einen fehlt die Zeit, sich mit den unzähligen Möglichkeiten des digitalen Marketings auseinanderzusetzen. Viele Handwerksunternehmen machen sich auf YouTube schlau und setzen die dort gewonnen Erkenntnisse nur halbherzig um. Andere KMUs holen sich externe Spezialisten:innen an Bord, die diesen Part übernehmen. Aber das ist teuer und liegt oft nicht im Budget.

Je kleiner der Betrieb, desto mehr hat die Chefin oder der Chef auf dem Tisch. Hier dann auch noch eine Social Media Strategie aufzubauen, ist utopisch. Kathrin empfiehlt, sich dafür einen Minijobber anzustellen. Das können zum Beispiel Marketing-Studenten:innen sein, die einen Blick von aussen auf den Betrieb werfen. So werden Aspekte deutlich, die sich super auf den sozialen Medien vermarkten lassen.

Alternativ kann das auch als AZUBI-Projekt ins Leben gerufen werden. Spannende Aufträge oder Arbeitsschritte werden von den Auszubildenden gefilmt und dann auf den Social-Media-Kanälen des Unternehmens gepostet.

Warum den zusätzlichen Stress auf sich nehmen?

Mit dieser Frage sieht sich Kathrin oft konfrontiert. Und sie ist in Anbetracht des enormen Arbeitspensums vieler KMUs auch völlig berechtigt.

Aber irgendwo muss man den Hebel ansetzen, wenn etwas an der Problematik des Fachkräftemangels verbessert werden soll. Der grosse Vorteil am Handwerk ist die Tatsache, dass Dinge gemacht werden, die ganz viele Menschen nicht können. Aber vielleicht können wollen würden. Und genau das gilt es nach aussen zu tragen.

Überlege doch mal: Jemanden einen Tag lang bei einer Office-Tätigkeit zu filmen, lockt keine Katze hinterm Ofen vor. Handwerksberufe bieten dagegen zig interessante Sachen, die für die Betrachter:innen einen echten Mehr- und Unterhaltungswert bieten.

Dass gut gemachte Filme und Video-Clips Emotionen transportieren, ist ein offenes Geheimnis. Handwerksbetriebe können auf diesem Wege nicht nur neue Kunden:innen gewinnen, sondern Social Media Plattformen auch als Recruiting-Tool nutzen. Die Clips werden nicht nur von jungen Menschen gefunden, die mit dem Gedanken spielen, das jeweilige Handwerk zu erlernen. Sondern auch von Fachkräften, die sich nach einem neuen Arbeitgeber umschauen.

Digitales Marketing braucht Reichweite

Das sollte man meinen. Wenn du nun deinem oder deiner AZUBI Zeit für die Produktion und die Verbreitung von Video-Clips einräumst, dann müssen sich die Posts auf Social Media lohnen. Und dazu braucht es wiederum 1000+ Follower beziehungsweise eine grosse Reichweite. Oder?

Laut Kathrin ist das im Handwerk nicht der Fall. Die einzelnen Handwerks-Bubbles sind deutlich kleiner, als man annimmt. Sie ist dagegen immer wieder über die grosse Anzahl an Handwerkern erstaunt, die auf Social Media Plattformen unterwegs sind, dort aber nichts posten. Du kannst also davon ausgehen, dass dein Video-Clip in dieser Bubble gesehen und – wenn es interessant ist und Mehrwert bietet – auch geteilt wird.

Social Media Strategie für Handwerksbetriebe: der Zug ist abgefahren

Das bedeutet aber nicht, dass du deswegen die Flinte ins Korn schmeissen musst. Ganz im Gegenteil. Das Potenzial der Social-Media-Plattformen ist für Handwerksbetriebe nach wie vor enorm. Klar haben all jene KMUs die Nase vorne, die schon seit Jahren diese Art des digitalen Marketings nutzen. Unternehmen, die erst jetzt damit anfangen, müssen dagegen die Beine in die Hand nehmen, um noch auf diesen Zug aufzuspringen.

Das Ding ist, dass die Entwicklung der sozialen Netzwerke rasend schnell ist. Facebook ist heute das digitale Äquivalent zu einer Ü-40-Party. Es ist aber auch die perfekte Plattform, um neue Azubis zu finden. Die Eltern sehen deine Clips und empfehlen diese dann ihren Kids, die eine Lehrstelle in diesem Bereich suchen.

Zudem findet gerade ein Generationsumschwung statt. In den kommenden zehn Jahren wird ein Renten-Tsunami über den Stellenmarkt einbrechen. Die nächste Generation ist mit Social Media aufgewachsen. Für die ist es völlig normal, die sozialen Netzwerke als Marketing-Tools zu nutzen.

KMUs, die in naher Zukunft nicht auf den Social-Media-Zug aufspringen, werden buchstäblich abgehängt.

Wenn Handwerker:innen auf Social Media ihre Tricks verraten

Dann schneiden die sich – zumindest auf den ersten Blick – ins eigene Fleisch. Schliesslich zeigen sie Schritt für Schritt, wie man ihren Job auch selbst machen kann.

Auf den zweiten Blick sieht das ganz anders aus. Nicht umsonst spricht man von Handwerkskunst. Was im YouTube-Video spielend leicht aussieht und von den Profis mit ein paar Handgriffen erledigt ist, stellt sich für Laien in der Praxis gerne als nervliche Zerreissprobe dar. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung.

Zudem bieten die Handwerksbetriebe mit diesen Clips einen Mehrwert für die User:innen. Das kommt nicht nur gut an, es ändert laut Kathrin Post-Isenberg auch das Mindset gegenüber dem Handwerk hin zum Positiven. Der Ton ändert sich. Man merkt, dass gipsen, streichen, tapezieren, mauern und einen neuen Wasserhahn einbauen nicht mal schnell gemacht sind. In den meisten Fällen geht der Griff nach eins, zwei Selbstversuchen zum Telefonhörer, um dann eben doch einen/e Experten:in zu beauftragen.

Social Media Strategien für Handwerksbetriebe – Kathrins Tipps

1.        Überlege dir, was du in deinem Arbeitsalltag überhaupt filmen kannst. Beziehungsweise, was für deinen Kunden OK ist. Nicht jeder will seine neue            Schlafzimmertapete auf YouTube teilen.

2.       Suche dir Arbeitsschritte und Abläufe aus, die in der Werkstatt stattfinden und filmwürdig sind: Material für einen Auftrag zusammenstellen, Einzelteile           montagefertig machen, etc.

3.       Zeige den Zuschauer:innen, wie ihr in eurem Betrieb mit Problemen umgeht und wie die Lösungen aussehen.

4.       Wenn es schon ein oder mehrere Videos zu einem Thema gibt, dann dreh trotzdem deinen Take dazu. Kein Video gleicht dem anderen, und desto mehr guten           Content du postest, desto besser.

5.       Richte dir feste Zeitfenster in der Woche ein, in denen du die aufgenommenen Videoclips bearbeitest, postest und somit deine Präsenz auf Social Media           Plattformen ausbaust. Für viele Handwerksbetriebe bietet sich der Freitag an.

6.       Plane, was du wann postest und was als Nächstes kommt. Zwei bis drei Posts pro Woche sind optimal.

7.       Wenn dir das Schneiden der Videos schwerfällt, dann gibt die Arbeit an einen Freelancer ab, der sich damit auskennt. Das kostet ein paar Euro, spart dir aber viel           Zeit.

8.       Ganz wichtig: Lass dich nicht entmutigen, wenn ein Clip nicht so gut ankommt. Social Media Strategien sind kein Sprint, sondern ein Marathon.

9.       Wenn dein digitales Marketing auf längere Sicht nicht greift, dann hole dir Hilfe. Sei dies von der Handwerkskammer, von Kollegen oder von einer digitalen           Marketingagentur wie BEYONDER. Sei kritikfähig.

10.     Halte durch. Als Faustregel dauert es zwei bis drei Monate, bis deine Social Media Strategie anfängt zu greifen.

Zum Abschluss muss gesagt sein, dass Social Media Strategien für Handwerksbetriebe super funktionieren. Es gibt zig Positivbeispiele. Von einer Maurermeisterin, die weit über 100.000 Follower hat bis hin zum Elektrobetrieb, der dank Social Media innerhalb von wenigen Monaten zwei neue Azubis einstellen konnte.

Wenn du Fragen zu deiner Social Media Strategie hast, dann melde dich bei Kathrin Post-Isenberg via LinkedIn oder kontaktiere uns über einen unserer BEYONDER-Kanäle.

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