Chris
Chris
2.1.2023
9 Minuten

Bau bloss (k)ein Scheiss! Positive Fehler­kultur im Fokus

Kultur. Laut Oxford Languages definiert sich diese als «die Gesamtheit der geistigen, künstlerischen und wissenschaftlichen Leistungen, die ein Volk und/oder eine Epoche charakterisieren». Fehler sind geistige Leistungen. Und wenn ich mir – als Jahrgang 1986 – unsere europäische Fehlerkultur vor Augen halte, dann lässt sich das nur schwer mit dem Wort ‘positiv’ besetzen.

Bau bloss (k)ein Scheiss!  Positive Fehler­kultur im Fokus

Ob in der Schule, in der Ausbildung, im Studium oder in den Jobs, die ich als Angestellter hatte: Fehler wurden, wenn überhaupt, nur äusserst selten für gutgeheissen. Davon kannst du bestimmt auch ein Lied singen. Wer Fehler macht, der baut Scheisse, greift daneben, schiesst den Bock ab. Es wird der Rotstift gezückt. Es werden rote Zahlen geschrieben. Hauptsache, man sieht die gemachten Fehler sofort. 

Dabei wären wir ohne gemachte Fehler heute nicht da, wo wir sind. Die gesamte Evolution beruht darauf, Fehler zu machen, diese zu korrigieren und so immer besser zu werden. Das sehen immer mehr Unternehmer*innen – vor allem in der amerikanischen Start-up-Szene – genauso. Es liegt Veränderung in der Luft. Eine neue, positive Fehlerkultur wächst, die hoffentlich auch bald in Europa Einzug nimmt.

Darüber habe ich mich jüngst mit jemandem in unserem BEYONDER-Podcast, Marketing Booster, unterhalten, der es wissen muss: Florian Hübner. Er baut mit seiner Firma die Tech-Stacks von Start-ups. Welche Einblicke und Gedankengänge zum Thema positive Fehlerkultur dabei ans Licht kamen, das möchte ich dir in diesem Blogbeitrag erzählen.

Inhalt auf einen Blick

Positive Fehlerkultur – Definition und Bedeutung

Fehler positiv zu behaften, ist Chefsache

Wann kommt die positive Fehlerkultur an ihre Grenzen?

Zehn Tipps für eine positive Fehlerkultur

  1. Mache Fehler salonfähig
  2. Gehe offen mit Fehlern um
  3. Lass laufen
  4. Rücke Erwartungshaltungen zurecht
  5. Finde gemeinsame Lösungen
  6. Sei risikobereit
  7. Bereite dich vor
  8. Korrigiere für die Zukunft
  9. Sei Teil deines Teams
  10. Bleibe begeisterungsfähig

Mein Fazit zur positiven Fehlerkultur

Positive Fehlerkultur – Definition und Bedeutung

Florian ist CEO seiner eigenen Firma «Start-up Creator». Mit seinem Team unterstützt er Unternehmen bei der Konzeption und Entwicklung digitaler Strategien und der technologischen Umsetzung. Und Florian ist ein glühender Verfechter der positiven Fehlerkultur. Damit schwimmt er in gewohnter Manier nicht nur outside the box, sondern auch gegen den Strom. Noch ist die Fehlerkultur in Deutschland und in der Schweiz vornehmlich eine andere. Wer in seinem Arbeitsumfeld Fehler macht, der muss mit Konsequenzen rechnen. Im besten Fall mit einem Anschiss von oben und vielleicht etwas Spott von den Kollegen*innen. Im schlimmsten Fall mit weitreichenden Auswirkungen wie beispielsweise Jobverlust und/oder dem Wissen, richtigen Schaden angerichtet zu haben.  

Es gibt Arbeitsstellen, bei denen Fehler schwerwiegende, tragische Folgen haben. Hier fallen mir spontan Piloten*Innen, Mediziner und der derzeitige Präsident von Russland ein. Demgegenüber gibt es Bereiche, wie beispielsweise Pädagogik sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, in denen gemachte Fehler und daraus gewonnenen Erkenntnisse den Grundstein für Erfolge legen.  

Hieraus stammt auch der Begriff ‘Fehlerkultur’. Es beschreibt die Art und Weise, wie wir mit Fehlern im Allgemeinen umgehen. Daraus leitet sich auch die positive Fehlerkultur ab, die seit den 1970er Jahren diskutiert und seit den 1990er Jahren in betriebswirtschaftlicher Sicht immer umgreifender gelebt wird.  

Eine positive Fehlerkultur in Unternehmen heisst, sich von der Fehlervermeidung weg hin zur Fehlertoleranz und Fehleroffenheit zu bewegen.

Fehler positiv zu behaften, ist Chefsache

Die Frage nach dem grössten Patzer in Florians Laufbahn führte von McDonalds über Wirtschaftsprüfungen bis hin zu seinen Anfängen als Start-up-Gründer. Es muss gesagt sein, dass Florian auf Fehler steht, solange daraus etwas gelernt wird. Und Florian hat laut seiner Aussage in seinem Leben schon super viel gelernt. Zum Beispiel, wie man TikToks nicht macht. Wie man seine Angestellten dazu verleitet, so zu tun als würden sie arbeiten. Wie man als Chef vor lauter Enthusiasmus eine negative Fehlerkultur unbewusst kultiviert, indem man allen immer über die Schulter schaut. 

Heute lebt Florian die positive Fehlerkultur als Chef vor. Mehr noch. In seiner Beraterfunktion agiert er in Start-ups diesbezüglich als Coach. Dort zeigt er, wie man mit Misserfolgen und gemachten Fehlern umgeht. Wie man sich aufrappelt, den Schmutz aus dem Gesicht reibt und dann mit neuen Erkenntnissen Vollgas gibt. 

Diese neue Kultur in Unternehmen zu etablieren, das braucht nicht nur Zeit. Es benötigt vor allem die Bereitschaft aller Beteiligten, etwas zu ändern. Hier ist besonders die Chefetage gefragt. Gemachte Fehler nicht mit Angst, sondern mit Chancen zu verknüpfen, das muss vorgelebt und unterstützt werden.

Wann kommt die positive Fehlerkultur an ihre Grenzen?

Shit happens. Das ist klar. Es gibt Projekte, die schieflaufen, finanzielle Durststrecken und Tage, an denen ein Fehltritt den nächsten jagt. Aber wann ist denn genug? Oder lohnt es sich immer, wieder von vorne anzufangen? Florians Meinung dazu ist zwiegespalten.  

Wenn man etwas beginnt und es auch nach mehreren Fehlschlägen, Einbussen und einer gewissen Zeitspanne immer noch nach hinten losgeht, dann gilt es, das Ganze zu überdenken. Hierbei spielt es keine Rolle, ob das dein Studium, deine eigene Firma, der Job oder Geige spielen ist. 

Grundsätzlich bieten sich hier drei Möglichkeiten.

Love it. Mach weiter.

Bist du Feuer und Flamme für deinen Beruf, dein Studium oder sonst was, dann bleib dran. Das ist bei mir in Bezug auf BEYONDER zu 100 % der Fall. 2022 war alles andere als ein Traumjahr. Wirtschaftlich haben wir nicht erreicht, was wir eigentlich locker hätten schaffen können. Das gibt zu denken. Aber deswegen die Flinte ins Korn schmeissen? Auf keinen Fall. Wir im Team lieben das, was wir tun. Wir wissen um den Mehrwert, den wir unseren Kunden bieten. Wir haben Spass dran. Wir haben Bock auf Marketing. Und damit ist alles gesagt. 

Change it. Pass die Strategie an.

Wenn du auf deinem Weg merkst, dass du ständig irgendwo hängen bleibst, dann schau dich um. Denn jeder Weg bietet zahlreiche Abzweigungen und Türen, die sich dir öffnen und neue, aufregende Alternativen bieten. Du bewegst dich dann zwar nicht mehr auf deinem ursprünglichen Pfad, aber du gehst in die gleiche Richtung.  

Leave it. Gib’ auf.

Hier musst du ehrlich zu dir sein. Wenn etwas immer und immer wieder in die Hose geht, dann ist das wahrscheinlich nicht dein Ding. Es ist auch keine Schande, etwas aufzugeben. Schon gar nicht, wenn es dich frustriert, unglücklich macht oder dich in den Ruin treibt. 

Aber – und das lässt sich nicht genug betonen – wenn du für etwas brennst, dann bleib dran. Auch in den wildesten Krisen findet sich ein Weg raus.

Zehn Tipps für eine positive Fehlerkultur

1. Mache Fehler salonfähig

Stell dir vor, wie sich eine Katze fühlt, die man am Schwanz festhält und mit der nassen Hand gegen den Strich streichelt.

Und genauso fühlen sich vor allem viele Vertreter*innen der älteren Generation, wenn sie Fehler machen. Hier gilt es, die Angst zu nehmen und Fehler positiv zu behaften. 

2. Gehe offen mit Fehlern um 

Wenn Fehler passieren, dann sprich sie an. Wichtig ist es, nicht die Person für die Fehler verantwortlich zu machen, sondern das Objekt. Lobe andererseits immer den Menschen. 

3. Lass laufen 

Gerade junge Menschen haben unglaublich viel Energie und stecken voller Tatendrang, was logischerweise mit einem hohen Fehlerpotenzial einhergeht. Das ist OK. Lass sie die Fehler selbst machen und die Learnings daraus ziehen.  

4. Rücke Erwartungshaltungen zurecht 

Egal ob es hier um dein Team oder um deine Kunden geht. Mache von Anfang an klar, dass auf allen Seiten Fehler entstehen, die dann aber in Learnings und somit in einem besseren Endprodukt resultieren. 

5. Finde gemeinsame Lösungen 

Eine langfristige Partnerschaft läuft nicht immer lupenrein. Fehler sind oft der Anstoss für Diskussionen, Schuldzuweisungen, etc. Hier gilt es, die Situation zu deeskalieren, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam Lösungen zu finden. 

6. Sei risikobereit 

Dare to fail. Starte Projekte mit dem Wissen, dass Fehler aufkommen. Halte dir vor Augen, dass Patzer kein Rückschlag sind, sondern ein Schubser in die richtige Richtung. 

7. Bereite dich vor 

Bereite dich auf die kommenden Fehler vor. Versuche zu antizipieren, was alles verrutschen könnte, und lege dir schon mal einen Plan zurecht.  

8. Korrigiere für die Zukunft 

Wenn ein Fehler auftritt, dann kritisiere nicht das, was schiefgelaufen ist. Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Überlege dir stattdessen, wie sich dieser Patzer in der Zukunft vermeiden lässt. 

9. Sei Teil deines Teams 

Das ist laut Florian ein Kernpunkt, wenn du in deinem Unternehmen eine positive Fehlerkultur pflegen möchtest. Du musst für deine Belegschaft ein Teil des sozialen Geflechts sein. Ein Mensch, mit dem man gerne lacht, an dem man sich reiben kann, dem man verzeiht und der verzeiht. Bleibe dabei aber auch deiner Boss-Rolle treu. Sollte ein Fehler / ein Fehlverhalten immer wieder auftreten, ohne daraus zu lernen, dann ist es an dir, diese Fehlerquelle aus der Welt – beziehungsweise aus dem Büro – zu schaffen. 

10. Bleibe begeisterungsfähig 

Wer ein Kleinkind beim Spielen beobachtet, der greift sich des Öfteren an den Kopf. Der Drei-Käse-Hoch fliegt nun schon zum dritten Mal von der Schaukel, heult kurz und probiert gleich noch mal. Kinder machen mit Begeisterung Fehler. Entweder bis sie die jeweilige Tätigkeit draufhaben oder als ‘doof’ abstempeln und links liegen lassen.  

Als Erwachsener*e in unserer Gesellschaft wird so ein Verhalten irgendwo zwischen naiv, minderbemittelt und/oder verantwortungslos eingestuft. Und das ist völlig konträr zu einer positiven Fehlerkultur. Und auch wenn sich das jetzt etwas nach Salbeitee und Klangschalenmassage anhört: Lass dein inneres Kind von der Leine und mach einfach.

Mein Fazit zur positiven Fehlerkultur 

Eine Kultur zu ändern, geschieht nicht von heute auf morgen. Die über Generationen hinweg kultivierte Angst davor, etwas falsch zu machen, gibt auch heute noch den Ton in Schulen, Universitäten und in der Arbeitswelt an. Es gilt also, unser Mindset zu ändern. 

Fehler machen und daraus lernen.

Das ist gut. Das ist Evolution.  

Wie stehst du zur positiven Fehlerkultur? Hast du in diesem Bereich schon Erfahrungen gesammelt, die du mit uns teilen möchtest? Oder hast du Fragen zum Thema an Florian Hübner oder an mich? Ich freue mich auf jeden Fall schon auf unseren Austausch. Egal, ob über mein LinkedIn-Profil, über die Kommentar-Box oder als Sprachnachricht.

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