Welcher Pitch bekommt den Zuschlag? Beziehungsweise: Welche Agentur hat dich am meisten überzeugt?

Diese Fragen haben sich bestimmt schon viele von euch gestellt, wenn es darum ging, eine Agentur für ein Projekt auszusuchen. Aber sind Pitches wirklich probate Mittel, um den perfekten Kandidaten für ein Projekt zu finden?

Mit Rückblick auf die vielen Jahre, in einer Agentur und auf Kundenseite tätig war, und mit der Erfahrung, die ich bis dato mit meiner Firma BEYONDER habe sammeln dürfen, zeichnet sich von meiner Warte aus ein ganz klares Bild ab:

Vergesst Pitches!

Warum, wieso und weshalb erkläre ich euch in diesem Blogbeitrag und natürlich auch in meinem Podcast zum Thema.

Inhalt des Blogbeitrags:

  • Pitches sind immer subjektiv.
  • Pitches lassen NICHT tief blicken.
  • Beispiel: Pitch für Website-Design.
  • Die bessere Alternative zum Pitch.

Pitches sind immer eine subjektive Angelegenheit

Eine Pitch-Präsentation basiert immer auf Subjektivität. Nämlich auf eurer. Wenn ihr einen Pitch von einer Agentur präsentiert bekommt, steht ihr als Kunde im Fokus. Das ist ja im Prinzip auch voll in Ordnung, doch die Umsetzung eures Projekts von einem Pitch abhängig zu machen, kann auf lange Sicht kontraproduktiv sein. Marketingstrategien, Websites, etc. sind deutlich vielfältiger, verstrickter und komplexer als eine Idee (oder Design), die als Pitch zum Besten gegeben wird.

Der springende Punkt ist nämlich der, dass projektbasierte Arbeiten oder Kampagnen oft zeitlich begrenzt sind. Das heisst die Zusammenarbeit endet an einem absehbaren Zeitpunkt. Bei einer längeren Zusammenarbeit, wie bei einer Website, ist der Faktor Zusammenarbeit und Verständnis viel wichtiger.

Ein Pitch lässt NICHT tief blicken!

Ein Pitch kommt aus der Zeit der Agenturen in den 60ern im Stil von Mad Men. Da ging es um Werbung und Kommunikation. Aber Achtung, Websites sind ein gutes Stück komplexer…

Stellt euch vor, ihr habt euch drei Agenturen ausgesucht, von denen ihr einer euer Website-Projekt anvertrauen möchtet. Ihr wollt von jeder Agentur einen Pitch, für den ihr natürlich hoffentlich einen Obolus bezahlt. (Auch ein Pitch macht sich nicht von selbst. Der Aufwand ist meist das 3-5 fache der Pitchentschädigung)

Letztendlich wählt ihr den Pitch, der euch subjektiv am ehesten anspricht. Und dies ist in der Regel der Pitch mit dem schönsten Design. Ihr wollt ja schliesslich, dass euere Website super aussieht. Das ist völlig legitim.

Nun ist es aber fast immer so, dass das Design kaum etwas über die Qualität der Website aussagt. Denn auch das schönste Design ist unbrauchbar, wenn es keinen Sinn ergibt. Ist es richtig angeordnet? Ist es das, was sich eure User von eurer Website erwarten? Zudem lässt das Design nicht erkennen, ob die technische Umsetzung in Ordnung ist.

Meines Erachten ist hier ein Umdenken von Nöten. Denn ganz häufig sind die Erstellung und das Design der Startseite der erste Schritt vieler Firmen. Und weil das so ist, möchte ich euch hier jetzt eine extrem wichtige Information liefern:

Startseiten sollten im Grunde ganz unten auf einer To-do-Liste stehen, wenn es um das Website-Design geht!

Warum? Weil die Startseite letztendlich die gesamte Essenz eurer Website highlightet. Es ist also viel sinnvoller, erst den kompletten Inhalt eurer Website zu definieren und zu strukturieren. Denn erst wenn ihr die wichtigsten Inhalte eurer Website kennt, könnt ihr entsprechend die Startseite designen. Eigentlich reicht auch ein Referenzdesign der neusten Projekte, um zu zeigen ob die Agentur entsprechende Designskills hat.

Aber zurück zum eigentlichen Thema.

Die bessere Alternative zum Pitch: Zusammenarbeit!

Ich möchte euch einen ganz anderen Entscheidungsweg bei der Agenturauswahl anraten:

Investiert etwas Zeit, setzt euch mit den einzelnen Agenturen an einen Tisch, redet und arbeitet miteinander.

Dabei bedeutet «arbeiten» nicht etwa, dass ihr beispielsweise an einen Workshop in der Agentur teilnehmt. Bucht stattdessen das Team der Agentur für einen oder auch nur einen halben Arbeitstag. Definiert ein Ziel, das innerhalb dieser Zeitspanne erreicht werden soll. Hier könnt ihr aus erster Hand testen, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert. 

Denn es kann sein, dass ihr euch gegen einen Pitch entschieden habt, weil ein ansonsten perfekter Partner an diesem Tag mit dem falschen Fuss aufgestanden ist. 

Wenn die Agentur ständig Vetos einlegt und sich bei jedem i-Punkt und jeder verflossenen Minute Gedanken darüber macht, wie das verrechnet wird, dann leidet die Produktivität und die Freude am Projekt. Das liegt ganz und gar nicht an der Agentur, sondern wie gut die Zusammenarbeit funktioniert. Klar. Jeder von uns soll sein Geld verdienen, aber letztendlich geht es ums Vertrauen. Denn wenn man sich gegenseitig vertraut, fallen solche Diskussionen zum grossen Teil weg.

Eine Agentur ist ja im Grunde nichts anderes als euer verlängerter Arm. Und bei der Auswahl eurer Team-Member achtet ihr ja auch darauf, dass die Chemie stimmt. Oder?

Versucht beim Agenturauswahl-Prozess also genauso persönlich an die Sache heranzugehen, wie bei einem Einstellungsgespräch.

Last but not least möchte ich gerne von euch zum Thema hören oder lesen. Welche Erfahrungen habt ihr mit Pitches gemacht? Wie sind eure Pitches gelaufen und habt ihr schon mal Pitches gehabt, die völlig in die Hose gingen?