Agent vs. Workflow: Was wirklich funktioniert!

Ein Begriff dominiert aktuell alle Diskussionen rund um KI: der "Agent". Er verspricht Autonomie, Intelligenz und Effizienz auf Knopfdruck. Aber wie viel Substanz steckt wirklich dahinter?

Veröffentlicht am:

03.02.2026

Wir sprechen mit Florian Gyger (Entwickler der App "Schweizerdeutsch übersetzen") über den praktischen Unterschied zwischen Agent und Workflow und warum das für uns als Marketingverantwortliche entscheidend ist.

Agent oder Workflow: Wo liegt der Unterschied?

Ein Agent soll laut Definition selbständig Entscheidungen treffen können. Also flexibel auf neue Situationen reagieren, selbstständig Informationen beschaffen und kreative Lösungen vorschlagen. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein? In vielen Fällen ist es das auch.

Ein Workflow hingegen ist ein strukturierter Ablauf, der auf klaren Regeln basiert. Input rein, Output raus, Schritt für Schritt nachvollziehbar. Und genau darin liegt seine Stärke: Wir behalten die Kontrolle, die Resultate sind wiederholbar und die Qualität ist überprüfbar. Besonders im Marketingalltag, wo wir auf Verlässlichkeit angewiesen sind, ist das entscheidend.

Florian Gyger bringt es auf den Punkt: "Viele Systeme, die heute als Agent verkauft werden, sind in Wahrheit nichts anderes als ein cleverer Workflow mit einem fancy Namen." Oft wird mit dem Begriff "Agent" eine Autonomie suggeriert, die das System gar nicht besitzt. Das führt zu falschen Erwartungen und unnötigen Enttäuschungen.

Der Hype um "Agents" und was wirklich dahinter steckt

"Slow down", das wäre Florians Botschaft auf einem grossen Plakat am HB Zürich. Denn im Hype um KI und Agenten geht oft vergessen, dass nicht jede Aufgabe Autonomie braucht. Vor allem im Marketing wollen wir Verbindlichkeit. Social Posts müssen raus, Texte müssen stimmen. Agenten, die Entscheidungen treffen, ohne dass wir verstehen warum? Nicht ideal.

Die Vorstellung vom KI-Agenten als "digitalem Mitarbeitenden" ist verlockend. Ein System, das selbstständig Inhalte recherchiert, Entscheidungen trifft, Kanäle auswählt und sogar timet. Doch wenn wir genau hinschauen, merken wir schnell: Die meisten dieser sogenannten "Agenten" erfüllen diese Erwartungen nicht. Was fehlt, ist oft der nötige Kontext, die Fähigkeit zur echten Interpretation und vor allem die Verantwortung, die im Marketing entscheidend ist.

Ein Beispiel: Wenn wir einen Agenten damit beauftragen würden, einen Podcast automatisch in Blogbeiträge, Snippets und Social Media Posts zu verwandeln, bräuchte er dafür nicht nur Tools, sondern auch ein tiefes Verständnis für unsere Zielgruppe, unsere Tonalität, unsere Kommunikationsziele. Das ist aktuell schlicht nicht zuverlässig umsetzbar.

Darum setzen wir im Alltag auf Workflows.
Sie liefern nachvollziehbare Ergebnisse, folgen vordefinierten Regeln und lassen sich so gestalten, dass sie unseren Ansprüchen gerecht werden. Nicht autonom, aber zuverlässig. Und das ist oft mehr wert.

Was heisst das für unseren Marketing-Workflow?

Ein Beispiel: Wir wollen aus einem Podcast eine ganze Content-Serie machen. Mit einem Workflow können wir das Audio transkribieren, in Blogartikel umwandeln, Social Media Snippets generieren und alles sauber in unsere Contentplanung überführen. Ohne magische Entscheidungen, sondern mit klarer Struktur und Vorhersagbarkeit.

Und das funktioniert bereits heute. Zum Beispiel mit der App "Schweizerdeutsch übersetzen" von Florian, die Transkripte direkt in Blogposts umwandeln kann. Diese sind gleich ready für die Umsetzung.

MCP, APIs & die Zukunft der Agenten

Damit echte Agenten in Zukunft funktionieren, braucht es mehr als nur starke LLMs. Es braucht standardisierte Schnittstellen wie MCPs (Machine-Controllable Protocols). Sie würden es erlauben, dass LLMs mit Webdiensten kommunizieren, wie Menschen es tun: flexibel, situationsabhängig und dennoch nachvollziehbar.

Heute ist das Zukunftsmusik. Morgen vielleicht Standard. Aber heute? Setzen wir auf einen Workflow. Der funktioniert.

Fazit: Agent oder Workflow? Die Antwort ist simpel.

Wenn wir wissen, was wir wollen, und Kontrolle über unsere Prozesse brauchen, ist ein Workflow das bessere Tool. Agents sind (noch) zu unberechenbar, vor allem wenn wir qualitative, konsistente Resultate brauchen. Lassen wir uns nicht vom Marketing blenden, denken wir pragmatisch.

"Prompten wir noch oder planen wir schon?"

Wir sind uns mit Florian einig: Der Unterschied zwischen Agent und Workflow ist nicht nur technisch, er ist strategisch. Und der entscheidet darüber, ob unsere KI-Unterstützung wirklich wirkt.

Chris Beyeler

Chris Beyeler lebt und atmet Künstliche Intelligenz. Quellcode im Blut, Neugier im Kopf, Vermitteln im Herz. Als Präsident von swissAI und Gründer von BEYONDER baut er Brücken zwischen Mensch und Maschine – wirksam, bodenständig, inspirierend. Mit über 150 Folgen des AI Cast prägt er seit Jahren den Diskurs rund um KI in der Schweiz und zeigt, wie Technologie Kreativität, Effizienz und Verantwortung verbindet.